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Wodurch unterscheiden sich MVZ und Gemeinschaftspraxis?

Alexander Bongartz von Alexander Bongartz
Lesezeit: ca. 6 Min. | Beitrag vom :

Inhaltsverzeichnis:


Die Anstellungsform hat bei Allgemeinmedizinern eine besondere Bedeutung. Vielen ist die Selbständigkeit wichtig, weil sie Wert auf eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit legen. Andere bevorzugen dagegen zunächst die Anstellung.

Allgemeinmediziner auf Stellensuche sollten auch darauf achten, welche Kooperationsform mit der jeweiligen Tätigkeit verbunden sind. Zwei dieser Formen sind die Gemeinschaftspraxis und das MVZ, das Medizinische Versorgungszentrum.

Die Entwicklung der Praxensituation in Deutschland in Zahlen

Die Anzahl der Praxen der vertragsärztlichen Versorgung ist in den vergangenen zehn Jahren rückläufig. Es gibt mehr Ärzte, die sich für die gemeinsame Berufsausübung mit Kollegen in größeren Praxisstrukturen entscheiden.

Einzelpraxen sind derzeit zwar noch immer die am stärksten vertretene Praxisform, dennoch nimmt ihre Zahl immer weiter ab. Bei hausärztlichen Praxen fiel der Rückgang dabei noch stärker aus als bei fachärztlichen Praxen.

Die Zahl der der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) steigt kontinuierlich. Im Jahr 2020 machen diese fast 4 Prozent aller Praxen bzw. Einrichtungen aus.

Anzahl der Hausarztpraxen 2020:

  • insgesamt: 39.788 Hausarztpraxen
    • davon Einzelpraxen 27.430 (69%)
    • davon Gemeinschaftspraxen: 8.819 (22%)
    • davon MVZ: 3.539 (9%)


Datailliert nachlesen könnt ihr die Zahlen bei der Kassenärtzlichen Vereinigung.

Was ist ein MVZ?

MVZ ist die Abkürzung für medizinisches Versorgungszentrum.

Jahr 2004 wurde das MVZ als Organisationsform gesetzlich verankert - hier die Infos dazu im Ärzteblatt.

Ziele: Rehabilitation, ambulante und stationäre Versorgung unter einem Dach

Ziel dieser Einführung war es, die integrierte Versorgung zu stärken, da in Versorgungszentren arbeiten Ärzte verschiedener fachlicher Bereiche zusammenarbeiten. Es wird sowohl ambulant als auch stationär behandelt. Maßnahmen zur Rehabilitation werden dort ebenfalls angeboten. Auf diese Weise soll die Patientenorientierung verbessert werden, da nun die Behandlung "aus einer Hand" möglich ist. Überweisungen und Parallelbehandlungen werden vermieden. Hierdurch lassen sich Ressourcen einsparen.

Wer darf ein MVZ gründen?

Gegründet werden kann ein MVZ von zugelassenen Ärzten mit kassenrechtlicher Zulassung ("Praxis-MVZ") und von Krankenhäusern. Das Kriterium der unterschiedlichen Fachrichtungen der Ärzte wurde mittlerweile gestrichen, so dass auch Ärzte identischer Fachgruppe ein MVZ gründen dürfen.

Wie viele MVZ gibt es?

Laut Angaben der Kassenärztliche Bundesvereinigung ist die Zahl der MVZ im Jahr 2019 um 350 Einrichtungen auf insgesamt rund 3.500 gestiegen. Fast jeder zehnte Arzt arbeitet in einem Versorgungszentrum. In einem MVZ sind durchschnittlich zwischen sechs und sieben Ärzte tätig. Der Anteil der Praxis-MVZ an den Versorgungszentren liegt bei gut 60%.

Welche Anstellungeform haben Ärzte im MVZ

Die Anstellungsform der Allgemeinmediziner und Fachärzte in den Versorgungszentren ist unterschiedlich. Sie können dort angestellt sein oder als selbständige Ärzte arbeiten. Wenn Allgemeinmediziner Stellenangebote suchen, die eine feste Anstellung ermöglichen, schauen sie daher auch auf die Medizinischen Versorgungszentren.

Handshake
MVZ oder Gemeinschaftspraxis, wo liegen die Unterschiede? - CC0, unsplash.com

Unterschiede zwischen MVZ und Gemeinschaftspraxis

Worin liegen nun die Unterschiede zwischen einem MVZ und einer klassischen Gemeinschaftspraxis?

Expansionen

  • Die Möglichkeit zu expandieren ist bei einer Gemeinschaftspraxis begrenzt. Ärzte dort sind verpflichtet, die medizinischen Leistungen persönlich zu erbringen. Die Namen aller Gesellschafter sind auf dem Praxisschild auszuweisen.
  • Bei einem MVZ ist eine solche Expansion dagegen möglich, da die Nutzung von Kostenvorteilen in den Zentren gewünscht ist.

Personalwechsel

  • Wenn ein Arzt aus einer Gemeinschaftspraxis ausscheidet, müssen die verbleibenden Ärzte einen Nachfolger finden, der den frei werdenden Anteil an der Praxis übernimmt.
  • In einem MVZ sind dagegen die übrigen Ärzte berechtigt, den Anteil gemeinsam zu erwerben.

Zulassung

  • Beim Eintreten in ein Versorgungszentrum wird die eigene Zulassung auf das MVZ übertragen.
  • Bei einer Gemeinschaftspraxis kann dagegen ein aussteigender Arzt die Zulassung mitnehmen. Neben der Anstellungsform der Allgemeinmediziner ist auch diese Frage beim Start in die Berufspraxis für viele Allgemeinmediziner, die gerade Stellenangebote prüfen, relevant. Allgemeinmediziner, die Stellenangebote durchsehen, erkennen die Möglichkeit einer Anstellung in einem MVZ.

Steuerrechtliche Unterschiede

  • Steuerrechtlich unterscheiden sich die beiden Organisationsformen. Wenn in einer Gemeinschaftspraxis bis zu drei Ärzte angestellt sind, gelten die Gesellschafter als Freiberufler. Daher müssen sie keine Gewerbesteuer zahlen. Dagegen besteht bei den Versorgungszentren in der Regel Gewerbesteuerpflicht.
  • Hinsichtlich der Abrechnung von Leistungen unterscheiden sich Gemeinschaftspraxis und Praxis-MVZ nicht. Auch aus der Perspektive der Patienten sind die Unterschiede zwischen Gemeinschaftspraxis und Praxis-MVZ gering. Sofern diese bestehen, dürften sie mittelbar durch die unterschiedlichen Größenordnungen entstehen.

Anstellungsform

  • Aufgrund des zunehmenden Anteils der Versorgungszentren haben Allgemeinmediziner mittlerweile bei der Angestellungsform mehr Möglichkeiten, ihre individuellen Wünsche zu berücksichtigen. Mit dem Berufswunsch Arzt ist nicht mehr die Notwendigkeit verbunden, eine eigene Praxis zu gründen. Wenn Allgemeinmediziner Stellenangebote durchsehen, finden Sie Möglichkeiten, in eine bestehende Praxis einzusteigen. Dabei sind im Detail Vorteile und Nachteile von Praxis-MVZ und Gemeinschaftspraxis zu beachten.

Was können Vorteil eines MVZ gegenüber einer Gemeinschaftspraxis sein?

Was sind nun die Vorteile eines MVZ gegenüber der Gemeinschaftspraxis?

Aus Sicht des Patienten

  • effizientere Versorungen
  • höhere Patientenorientierung, da die Behandlung "aus einer Hand"
  • Überweisungen und Parallelbehandlungen werden vermieden
  • es lassen sich Ressourcen einsparen, insbesondere in zeitlicher Hinsicht
  • Transportwege zu anderen Praxen können entfallen

Aus Sicht des angestellten Arztes

  • angestelltes Verhältnis ohne Selbstständigkeit und das damit einhergehende finanzielle Risiko ist möglich
  • Teilzeitanstellung ist möglich
  • geregelte Arbeitszeiten
  • klassische Urlaubsregelung
  • größere Teams und mehr Kollegen
  • Patientenversorgung "aus einer Hand" mit interdisziplinärem Austausch
  • größere Kapazitäten von Räumlichkeiten und Geräten, dadurch oft mehr Behandlungs- und Diagnosemöglichkeiten

Vorteile eines Gemeinschaftspraxis gegenüber einem MVZ

  • In einer Gemeinschaftspraxis ist es dagegen leichter, die erfolgten Leistungen den einzelnen Ärzten zuzuordnen.
  • Aufgrund der hohen Zahl von Angestellten und gemeinsamen Geräte ist es in einem MVZ schwierig, die Effizienz der behandelnden Ärzte zielsicher zu bestimmen.
  • Gelegentlich wird die Gefahr beschrieben, dass das persönliche Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient in großen Versorgungszentren nicht so ausgeprägt ist, wie in einer Gemeinschafts- oder Einzelpraxis.

Welche Anstellungsform sollte ein Allgemeinmediziner wählen?

Die Auswahl der Anstellungsform als Allgemeinmediziner ist erstmal nicht an die Kooperationsform gebunden. Allerdings ist die Flexibilität, die aus der Arbeitsteilung in einem MVZ entsteht wegen der Größenordnung noch stärker ausgeprägt als in einer Gemeinschaftspraxis. Auch der Austausch unter Kollegen zu fachlich übergreifenden Fragen ist vor allem in einem MVZ leicht möglich.

Ärzte sind in einem MVZ sind enger an die Einrichtung gebunden als in einer Gemeinschaftspraxis, da die Zulassung übertragen wird. Eine Selbstständigkeit ist dann nicht so leicht möglich.

Wenn Sie Stellenangebote als Allgemeinmediziner vergleichen, könnte die Anstellung in einem Versorgungszentrum dann Sinn machen, wenn keine eigene Zulassung beantragt werden soll, sondern ein klassisches Angestelltenverhältnis gewünscht ist.

Auch für Praxenbesitzer kann die Anstellung von Allgemeinmediziner ein sein Vorteile, da sie selbst so die Kapazitäten der Einrichtung ausbauen und das Risiko einer eigenen Praxis vermeiden. Es ist dabei grundsätzlich möglich, eine Gemeinschaftspraxis zu einem späteren Zeitpunkt in ein MVZ umzuwandeln.

Wenn Sie eine neue Stelle als Allgemeinmediziner suchen, sollten Sie die Vor- und Nachteile der Anstellungsformen und Versorgungsarten kennen und berücksichtigen. Dann steht Ihrer neuen Anstellung nichts mehr im Weg?

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