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Wodurch unterscheiden sich MVZ und Gemeinschaftspraxis?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Beitrag vom

Zusammenfassung
4.4 / 5 aus 17 Abstimmungen

Die Anstellungsform hat für Allgemeinmediziner eine besondere Bedeutung. Vielen ist die Selbständigkeit wichtig, weil sie Wert auf eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit legen. Andere bevorzugen dagegen zunächst die Anstellung.

Wenn Allgemeinmediziner Stellenangebote durchsehen, achten Sie auch darauf, welche Kooperationsform mit der jeweiligen Tätigkeit verbunden ist. Zwei dieser Formen sind die Gemeinschaftspraxis und das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ).

Das MVZ

Im Jahr 2004 wurde das MVZ als Organisationsform gesetzlich verankert. Ziel dieser Einführung war es, die integrierte Versorgung zu stärken. In Versorgungszentren arbeiten Ärzte verschiedener fachlicher Bereiche zusammen. Es wird sowohl ambulant als auch stationär behandelt.

Maßnahmen zur Rehabilitation werden dort ebenfalls angeboten. Auf diese Weise soll die Patientenorientierung verbessert werden, da nun die Behandlung "aus einer Hand" möglich ist. Überweisungen und Parallelbehandlungen werden vermieden. Hierdurch lassen sich Ressourcen einsparen.

Gegründet werden kann ein MVZ von zugelassenen Ärzten mit kassenrechtlicher Zulassung ("Praxis-MVZ") und von Krankenhäusern. Das Kriterium der unterschiedlichen Fachrichtungen der Ärzte wurde mittlerweile gestrichen, so dass auch Ärzte identischer Fachgruppe ein MVZ gründen dürfen.

Laut Angaben der Kassenärztliche Bundesvereinigung ist die Zahl der MVZ auf rund 2.500 gestiegen. Fast jeder zehnte Arzt arbeitet in einem Versorgungszentrum. In einem MVZ sind durchschnittlich zwischen sechs und sieben Ärzte tätig. Der Anteil der Praxis-MVZ an den Versorgungszentren liegt bei gut 60%. Die Anstellungsform der Allgemeinmediziner und Fachärzte in den Versorgungszentren ist unterschiedlich. Sie können dort angestellt sein oder als selbständige Ärzte arbeiten. Wenn Allgemeinmediziner Stellenangebote suchen, die eine feste Anstellung ermöglichen, schauen sie daher auch auf die Medizinischen Versorgungszentren.

MVZ Gemeinschaftspraxis
MVZ oder Gemeinschaftspraxis, wo liegen die Unterschiede? - CC0, unsplash.com

Unterschiede zwischen MVZ und Gemeinschaftspraxis

Worin liegen die Unterschiede zwischen beiden Kooperationsformen? Die Möglichkeit zu expandieren ist bei einer Gemeinschaftspraxis begrenzt. Ärzte dort sind verpflichtet, die medizinischen Leistungen persönlich zu erbringen. Die Namen aller Gesellschafter sind auf dem Praxisschild auszuweisen.

Bei einem MVZ ist eine solche Expansion dagegen möglich, da die Nutzung von Kostenvorteilen in den Zentren gewünscht ist. Wenn ein Arzt aus einer Gemeinschaftspraxis ausscheidet, müssen die verbleibenden Ärzte einen Nachfolger finden, der den frei werdenden Anteil an der Praxis übernimmt. In einem MVZ sind dagegen die übrigen Ärzte berechtigt, den Anteil gemeinsam zu erwerben.

Beim Eintreten in ein Versorgungszentrum wird die eigene Zulassung auf das MVZ übertragen. Bei einer Gemeinschaftspraxis kann dagegen ein aussteigender Arzt die Zulassung mitnehmen. Neben der Anstellungsform der Allgemeinmediziner ist auch diese Frage beim Start in die Berufspraxis für viele Allgemeinmediziner, die gerade Stellenangebote prüfen, relevant. Allgemeinmediziner, die Stellenangebote durchsehen, erkennen die Möglichkeit einer Anstellung in einem MVZ.

Steuerrechtlich unterscheiden sich die beiden Organisationsformen. Wenn in einer Gemeinschaftspraxis bis zu drei Ärzte angestellt sind, gelten die Gesellschafter als Freiberufler. Daher müssen sie keine Gewerbesteuer zahlen. Dagegen besteht bei den Versorgungszentren in der Regel Gewerbesteuerpflicht.

Hinsichtlich der Abrechnung von Leistungen unterscheiden sich Gemeinschaftspraxis und Praxis-MVZ nicht. Auch aus der Perspektive der Patienten sind die Unterschiede zwischen Gemeinschaftspraxis und Praxis-MVZ gering. Sofern diese bestehen, dürften sie mittelbar durch die unterschiedlichen Größenordnungen entstehen.

Aufgrund des zunehmenden Anteils der Versorgungszentren kann die Anstellungsform der Allgemeinmediziner mittlerweile besser auf die individuellen Wünsche abgestimmt werden. Mit dem Berufswunsch Arzt ist nicht mehr die Notwendigkeit verbunden, eine eigene Praxis zu gründen. Wenn Allgemeinmediziner Stellenangebote durchsehen, finden Sie Möglichkeiten, in eine bestehende Praxis einzusteigen. Dabei sind im Detail Vorteile und Nachteile von Praxis-MVZ und Gemeinschaftspraxis zu beachten.

Welche Anstellungsform kann man wählen?

Die Auswahl der Anstellungsform als Allgemeinmediziner ist nicht an die Kooperationsform gebunden. Allerdings ist die Flexibilität, die aus der Arbeitsteilung entsteht, ist in einem MVZ wegen der Größenordnung noch stärker ausgeprägt als in einer Gemeinschaftspraxis. Auch der Austausch unter Kollegen zu fachlich übergreifenden Fragen ist vor allem in einem MVZ leicht möglich. Die Kapazitäten von Räumlichkeiten und Geräten lassen sich in einem größeren Versorgungszentrum bestmöglich ausschöpfen.

In einer Gemeinschaftspraxis ist es dagegen leichter, die erfolgten Leistungen den einzelnen Ärzten zuzuordnen. Aufgrund der hohen Zahl von Angestellten und gemeinsamen Geräte ist es in einem MVZ schwierig, die Effizienz der behandelnden Ärzte zielsicher zu bestimmen. Gelegentlich wird die Gefahr beschrieben, dass das persönliche Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient in großen Versorgungszentren gefährdet wird.

Die steuerrechtlichen Unterschiede sprechen ebenfalls eher für die Gemeinschaftspaxis. Ärzte in einem MVZ sind enger an die Einrichtung gebunden als in einer Gemeinschaftspraxis, da die Zulassung übertragen wird. Wenn Allgemeinmediziner Stellenangebote vergleichen, könnten sie sich insofern zunächst für eine Anstellung in einem Versorgungszentrum entscheiden.

In dieser Anstellungsform junger Allgemeinmediziner sehen auch ältere Ärzte Vorteile, da sie selbst so die Kapazitäten der Einrichtung ausbauen und das Risiko einer eigenen Praxis vermeiden. Es ist Ärzten grundsätzlich möglich, eine Gemeinschaftspraxis zu einem späteren Zeitpunkt in eine Praxis-MVZ umzuwandeln. Wenn Sie als angehender Allgemeinmediziner Stellenangebote lesen, sollten Sie die Vor- und Nachteile der beiden Kooperationsformen berücksichtigen.

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