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Per Quereinstieg zur Allgemeinmedizin - für wen es sich anbietet

Alexander Bongartz von Alexander Bongartz
Lesezeit: ca. 3 Min. | Beitrag vom :

Bild: Adobe Stock

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Deutschland droht in vielen Gemeinden ein Mangel an Hausärzten. Schuld daran ist nicht unbedingt, dass zu wenig Ärzte ausgebildet werden, sondern dass diese ungleich verteilt sind – in Ballungsräumen besteht ein Überangebot, während ländlichen Regionen die Unterversorgung droht. Bereits 2011 hat der Deutsche Ärztetag daher entschieden, den Quereinstieg in die Allgemeinmedizin für Fachärzte zu erleichtern.

Die zu erwerbenden Inhalte sollten dabei unangetastet bleiben, die Weiterbildungsordnung also nicht geändert werden. Im Vordergrund stand vor allem, vorhandene Qualifikationen interessierter Fachärzte individuell zu prüfen, diese schnell anzuerkennen und Mediziner beim Umstieg zu unterstützen. Dieser Beschluss wurde 2012 auf Basis von Empfehlungen der Bundesärztekammer (BÄK) von den Landesärztekammern umgesetzt.

Fünfjährige Weiterbildung Allgemeinmedizin

Die Möglichkeit zum Quereinstieg bietet sich Ärztinnen und Ärzten, die schon eine Facharztausbildung in der unmittelbaren Patientenversorgung erworben haben. Wurden in dieser Zeit bereits stationäre Weiterbildungen im Bereich der unmittelbaren Patientenversorgung abgeleistet, können diese als Mehrzeiten im Gebiet Innere Medizin angerechnet werden. Die fünfjährige Weiterbildungszeit zum Facharzt für Allgemeinmedizin setzt sich normalerweise folgendermaßen zusammen:

  • 36 Monate stationäre Basisweiterbildung in der Inneren Medizin,

  • wovon 18 Monate wahlfrei in der unmittelbaren Patientenversorgung abgeleistet werden müssen,

  • davon höchstens 12 Monate aus einem Gebiet.

  • Die restlichen 24 Monate der Weiterbildung sind in der ambulanten hausärztlichen Versorgung abzuleisten,

  • davon 6 Monate Wahlfrei in der Chirurgie.

Je nach Facharztgebiet können Weiterbildungszeiten, welche bereits in der unmittelbaren Patientenversorgung erworben wurden, auf die stationäre Basisweiterbildung angerechnet werden. Bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe wären dies beispielsweise 1,5 Jahre in der Humangenetik, 2 Jahre in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, 2,5 Jahre in der Urologie und 3 Jahre in der Kinder- und Jugendmedizin (die komplette Tabelle findet sich hier). Die 24 Monate Weiterbildung in der allgemeinmedizinischen Praxis sind beim Quereinstieg verpflichtend abzuleisten.

Förderung in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner

Wer die Zulassung zur Facharztprüfung erhalten will muss nachweisen, dass alle in den Weiterbildungsrichtlinien vorgesehenen Inhalte (Kenntnisse, Erfahrungen, Fertigkeiten) und Untersuchungs- sowie Behandlungsmethoden erfolgreich erworben wurden. Theoriekurse, welche die Weiterbildungsinhalte abdecken, sind dabei in der Regel anzuerkennen. Verpflichtend für alle Quereinsteiger ist außerdem eine 80-stündige Kurs-Weiterbildung in Psychosomatischer Grundversorgung.

Über das Förderprogramm zur "Vereinbarung zur Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin in der ambulanten und stationären Versorgung" sind Quereinsteiger zudem berechtigt, eine finanzielle Förderung in der Zeit der Weiterbildung zu erhalten. Zudem bieten die Landesärztekammern bzw. die Koordinierungsstellen Weiterbildung Allgemeinmedizin Quereinsteigern Unterstützung bei der Suche nach einem erfahrenen Hausarzt als Mentor bzw. Weiterbildungsbefugten an.

Resonanz zur Weiterbildung noch nicht abzuschätzen

Dass bislang trotzdem nur wenige Mediziner zur Allgemeinmedizin umgestiegen sind, bedeutet laut BÄK-Vizepräsident Dr. med. Max Kaplan jedoch nicht, dass es nicht genügend Interesse am Umstieg auf die Allgemeinmedizin gebe. Umsteiger müssten schließlich zunächst die Inhalte der Weiterbildungsordnung zum Facharzt für Allgemeinmedizin nachweisen oder erwerben, wenn auch ohne vorgegebene Zeitabschnitte. Daher können viele Quereinsteiger mit der Weiterbildung noch gar nicht fertig sein, sodass man sich auch noch kein endgültiges Urteil über die Resonanz erlauben kann. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein registriert beispielsweise durchaus ein steigendes Interesse. So haben In diesem Jahr haben bislang drei Quereinsteiger ihre Prüfung abgelegt, 2013 erkundigten sich zehn Ärzte nach dem Angebot, 2014.

Im Kammerbereich Westfalen-Lippe haben in den Jahren 2013 bis 2015 16 Fachärztinnen und Fachärzte, vor allem aus den Gebieten Chirurgie und Innere Medizin, als Quereinsteiger eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin absolviert, im gesamten Bundesgebiet waren es 103. Derzeit interessieren sich dafür vor allem Anästhesisten und Chirurgen. Für Medziner, die schon etliches an Berufserfahrung haben und die noch einmal eine neue Herausforderung suchen, könnte der Quereinstieg daher eine echte Alternative sein. Wenn man aus einem stark spezialisierten Fachgebiet kommt, kann man die zusätzlichen Weiterbildungsinhalte nutzen, um seinen beruflichen Horizont noch einmal zu erweitern.

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