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"Choosing Wisely" in der Allgemeinmedizin

Lesezeit: ca. 2 Min. | Beitrag vom

Zusammenfassung

4.3 / 5 aus 19 Abstimmungen

Weniger ist oftmals mehr - diese Weisheit gilt auch in der Medizin. Gemeint sind damit medizinische Behandlungen die vermieden werden sollten, weil deren Schaden den Nutzen wahrscheinlich überwiegt. Die internationale "Choosing Wisely" oder die deutsche "Gemeinsam Klug Entscheiden" -Initiative erarbeiten daher Listen mit „Don’t do-Empfehlungen“.

Ein bekannter Witz unter Medzinstudierenden lautet: "Wer noch gesund ist, wurde nur noch nicht genügend untersucht." Was im ersten Moment lustig klingt, kann für Patienten jedoch schnell unangenehm werden: unnötige Röntgenaufnahmen und Antibiotika oder routinemässig, ohne Aufklärung der Patienten durchgeführte Krebsvorsorge-Untersuchungen.

Ziel der Initiativen ist es, jeweils 5 Beispiele von medizinischen Maßnahmen zu benennen, die häufig gemacht werden, für die Patienten aber erwiesenermaßen nutzlos oder sogar schädlich sind. Diesen fünf Beispielen von Überversorgung sollen dann jeweils fünf Beispiele von Unterversorgung gegenübergestellt werden – Maßnahmen, deren Nutzen zwar belegt ist, die aber zu selten angewandt werden. Diese Listen werden dann in Zusammenarbeit mit Patienten- und Verbraucherschutzorganisationen sowie der Medien verbreitet.

"Im Grunde geht es bei dieser Initiative darum, dass wir bewusst machen wollen, dass eines der wichtigsten Dinge in unserem ärztlichen Beruf die Zeit ist, die wir dem Patienten widmen können. Wir müssen wieder herausstellen, dass die Zeit, die wir ins Gespräch mit unseren Patienten investieren, wichtige Zeit ist, die wir verteidigen müssen, weil, dann können wir den Patienten viel zielgenauer und besser behandeln",

sagt der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), Prof. Dr. Michael Hallek im Deutschlandfunk. Er fordert daher, dass das Arztsein wieder mehr in den Mittelpunkt des Handelns rücken muss.

Die Gründe für eine Überversorgung von Patienten können vielfältig sein. Schon im Studium wird demnach vor allem das Handeln thematisiert und nicht das, was man lassen könne. Gründe für unkluge Entscheiden sind auch Gewohnheiten und fehlendes Wissen oder mangelnde Erfahrungen. Zusätzlich kommt die Sorge vor juristischen Konsequenzen und dem Vorwurf, etwas unterlassen zu haben hinzu. Auch ökonomische Anreize können eine Rolle spielen. Schnell werden weitere Untersuchungen oder Medikamente angeordnet - auch wenn die Diagnose möglicherweise nicht hundertprozentig sicher ist. Allerdings sind auch viele Patienten aufgrund ihres Anspruchsdenken nicht unschuldig an einer Überversorgung. So fordern viele Patienten selbst bei einer einfachen Erkältung ein Rezept für ein Antibiotikum - dass dieses bei viralen Infekten nutzlos ist, ist vielen dabei offenbar egal. Laut Prof. Dr. Ulrich Fölsch, Generalsekretär der DGIM, sollen die Patienten daher in Zukunft stärker mit einbezogen werden. Die Ärzte müssen Therapie- und Diagnostik dazu besser erklären, damit der Patient versteht, warum manche Dinge erforderlich und andere überflüssig sind:

"Unser Wunschdenken ist es, dass das ausführliche Arzt-Patienten-Gespräch derart honoriert wird, dass überflüssige Behandlungen wegfallen können“

sagte er im Gespräch mit DocCheck.

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